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Ritmüller-Gitarre

Bericht im Göttinger Tageblatt

     Ritmüller-Gitarre

Diese „Romantische Gitarre“ wurde von Gottlieb Wilhelm Ritmüller (1772-1829) zwischen 1810 und 1820 in Göttingen gebaut. Auch als „Biedermeier-Gitarre“ bezeichnet, waren Gitarren dieses Typs in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts in bürgerlichen Kreisen ein sehr beliebtes Instrument für die Hausmusik.

Der Göttinger Ritmüller begann als Autodidakt Ende des 18. Jahrhunderts mit dem Instrumentenbau. Seit 1795 hatte er eine eigene Werkstatt in der Burgstraße 35. Neben dem Bau einiger weniger Harfen sind es seine gut klingenden Gitarren, die zunächst den Schwerpunkt seiner Arbeit bildeten und ihn rasch bekannt machten. Schon bald rückte aber der Klavierbau in das Zentrum der Fertigung. Gottliebs ältester Sohn Johann Wilhelm verlegte 1832 nach dem Tod des Vaters seine Wohnung und die Werkstatt in den geräumigeren Hardenberger Hof am Ritterplan – dem jetzigen Städtischen Museum. Unter seiner Firmenleitung erlangte die Klavierproduktion ihren Höhepunkt.

Zurzeit geht man davon aus, dass nur drei Gitarren von Gottlieb Wilhelm Ritmüller erhalten sind. Das hier vorgestellte Instrument ist bereits 1895 in die „Städtische Altertumssammlung“, dem Vorläufer des heutigen Museums, gelangt.

Charakteristisch für die Gitarren dieser Bauart ist ihre schlanke Form, ein Merkmal, das sie von der Barockgitarre übernahmen. Für den Korpus sind hier verschiedene Hölzer verwendet worden: Der zweiteilige Boden und die Zargen bestehen aus furniertem Palisander, die Decke ist aus massiver Fichte gefertigt und mit einer Schellack-Harz-Oberfläche versehen. Die Ränder der Decke sind mehrstreifig eingefasst und gleichartige hell- und dunkelbraune Streifen verzieren konzentrisch das Schallloch.

Eine weitere Besonderheit dieser Instrumente ist die Befestigung der Saiten mittels kleiner Knopfstecker statt der üblichen Bindung am Steg. Dieser Steckersteg wird durch aufgelegte Zierelemente verlängert, so dass der Eindruck einer flachen u-förmigen Krümmung entsteht. Sie sind bei diesem Instrument nicht mehr vollständig erhalten.

Der Hals aus Ahorn besitzt ein aufgeleimtes Griffbrett aus schwarz gebeiztem Hartholz mit sechs Messing- und zwei Elfenbeinbünden. Auf der in das Griffbrett hochgezogenen Decke befinden sich sieben Hornbünde. Hinter dem Sattel aus Hartholz schließt sich der schlichte und leicht abgewinkelte Kopf an. Er ist mit einer für Ritmüller-Gitarren typischen Messingmechanik mit Flügelschrauben ausgestattet.

Im Korpus eingeklebt ist ein achteckiger, gestochener Firmenzettel mit der Aufschrift: “G. W. Ritmüller / in Göttingen / fertigt Piano-Forte in Flügel- und aufrechtstehender Form / Clavichorden Pedahl Harfen und Guitarren“.

Die Gitarre zeigt deutliche Gebrauchsspuren und Beschädigungen.

(Gitarre, um 1815, Gottlieb Wilhelm Ritmüller, Göttingen, Städtisches Museum Göttingen, Inv.-Nr. 1895/67, Gesamtlänge 90 cm, Korpuslänge 43,5 cm, Mensur 63,2 cm)